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Udo Kamjunke und Chris Paul
Foto: Friedhelm Kinkel

Der Trauer Raum geben Hospizgespräch mit vielen Anregungen für Angehörige und Begleiter Der Umgang mit der Trauer ist so verschiedenartig, wie es Menschen gibt: Die einen wollen immer wieder über ihren Verlust sprechen, die anderen werden ganz still. Manchen gelingt es vergleichsweise schnell, wieder auf die Beine zu kommen, andere wieder sind noch nach langer Zeit wie ohnmächtig gefangen.

Im Rahmen des dritten Siegener Hospizgesprächs unter dem Titel „Der Trauer Raum geben“ stand das vielschichtige Thema am vergangenen Freitag in der Aula im Medien- und Kulturhaus Lyz im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die von der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen e.V. und vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein organisiert worden war. Über 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, der Höhepunkt des Nachmittages war das Vortragskonzert der Trauerbegleiterin, Fachautorin und Dozentin Chris Paul, die in diesem Rahmen auch ihr „Kaleidoskop des Trauerns“ vorstellte.

Eröffnet wurde der Nachmittag von Gerrit Ebener-Greis von der Hospizhilfe und Matthias Vitt, Vorsitzender des Caritasverbandes. Ulla Krombach-Stettner, ehemalige Koordinatorin für ambulante Hospizarbeit beim Caritasverband Siegen-Wittgenstein, gab aus ihrer langjährigen Erfahrung einen anschaulichen und interessanten Überblick zur Situation Trauernder. „Es gibt so viele Situationen wie es Verluste gibt“, betonte sie und schilderte einige Beispiele aus ihrer Arbeit. „An Trauernde werden verschiedenartige Erwartungen gerichtet: Trauer muss gelebt werden, die alltäglichen Aufgaben dürfen aber nicht vernachlässigt werden. Bitte nicht so viele positive Gefühle zeigen, sonst trauert man nicht richtig und vor allem die Bindung irgendwann loslassen, sonst hört die Trauer nie auf“, skizzierte Ulla Krombach-Stettner.
Sie machte mit ihrem eindringlichen Vortrag aber sehr deutlich, dass all diese Erwartungen in der individuellen Realität von Trauernden nichts zu suchen haben: Trauer dauert so lange, wie sie eben dauert. Und es gibt auch eben jene Fälle, bei denen die semi-professionelle Hilfe nicht ausreicht, bei denen die Trauer so schlimm ist, dass sie zur anhaltenden Trauerstörung wird. Da der Weg zu einem Therapeuten aber oftmals ein langer ist, ist auch an dieser Stelle die umfangreiche Hilfe der ehrenamtlichen Trauerbegleiter ungemein wichtig.

Wie die Verstorbenen auf eine noch recht unbekannte Art im Leben der Hinterbliebenen verwurzelt bleiben können, erläuterte Irmtrud von Plettenberg, Trauerpastoral Heilig Kreuz Siegen. Sie informierte die Besucher über das geplante Kolumbarium: Die Urnenhalle soll neu in der Heilig-Kreuz-Kirche in Weidenau entstehen und den Angehörigen einen Ort bieten, wo sie über den Tod hinaus mit den Verstorbenen eng in Verbindung stehen. Bei der Farbgestaltung wurden blau und gelb ausgewählt, zwei Farben, die auch im „Kaleidoskop des Trauerns“ von Chris Paul eine Bedeutung haben.

Die Trauerexpertin und der Kölner Gitarristen Udo Konjunkte näherten sich mit ihrem Konzert dem Thema auf eine ganz andere Art an. Chris Paul griff dabei einige Aspekte auf, die bereits zuvor gesagt wurden und verlieh ihnen mit ihrer Präsenz und den vielen Erfahrungen aus ihrer Arbeit erneut Nachdrücklichkeit: „Trauer muss raus aus der Isolation, sie muss überall hin, in jede Schulklasse, in jeden Bus, auf die Straße – mitten in die Gesellschaft mit all ihren Facetten.“
Mit ihrem Trauerkaleidoskop wolle sie diese Facetten deutlich machen. Der Weg der Trauer ist individuell, die Themenfelder sind jedoch dieselben. Hierbei handelt es sich nicht um Phasen, die einander ablösen, sondern um Aspekte, die ineinander verwoben sind – sie sind stets alle da, ergänzen und überlagern sich. Zwischen ihre Erläuterungen und Erzählungen aus ihrem Beratungsalltag setzte Chris Paul die musikalischen Akzente.
Die Lieder, eine Mischung aus Eigenkompositionen wie „Alles, was bleibt“ und „Altweibersommer“ und bekannten Stücken wie „Let it be“ oder „Lieblingsmensch“, hatten dabei nicht immer einen direkten Bezug zu Tod und Trauer. Teilweise waren es auch nur Aspekte, die in ihnen aufgegriffen wurden, was wiederum die Realität von Trauer wunderbar deutlich machte: Manchmal ist sie nicht vordergründig, sondern mischt sich zwischen die Zeilen. Mit ihrem Vortrag bot Chris Paul jeder Besuchsgruppe etwas an: Respekt, Verständnis und Trost für die Trauernden, Anleitung und Kraft für die Trauerbegleiter.

In der Kaffeepause und nach der Veranstaltung zeigte sich in den Gesprächen, dass das dritte Siegener Hospizgespräch den vielen Besuchern viel mitgeben konnte: „Eine gelungene Kombination aus Fortbildung und Kultur, die ich bisher so noch nicht erlebt habe“, fasste eine Besucherin treffend zusammen.

Bildzeile: Trauerbegleiterin Chris Paul näherte sich begleitet von Gitarrist Udo Kamjunke mit ihrem Konzert dem Thema Trauer auf eine ganz andere Art an und stellte auch ihr „Kaleidoskop des Trauerns“ vor.

Der Trauer Raum geben – Hospizgespräch mit vielen Anregungen für Angehörige und Begleiter