„Gegen die Einsamkeit Sterbender“ – Erstes Siegener Hospizgespräch der Ambulanten ökumenische Hospizhilfe Siegen e.V.

Siegen, den 25.09.2014 Aus Anlass ihres 20jährigen Bestehens hatte die Ambulante ökumenische Hospizhilfe Siegen e.V. zum ersten Siegener Hospizgespräch eingeladen. Über 140 Zuhörer drängten sich in den Hörsaal des St. Marien-Krankenhauses Siegen. Zunächst stellte die Vorsitzende Gerrit Ebener-Greis gemeinsam mit Thomas Griffig, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein, die Entwicklung der ambulanten Hospizarbeit dar. In Form einer „Kurzgeschichte“ wurden die Wurzeln, gelegt von Pfarrer Dr. Dr. Scheuer und Pfarrer Lieske mit einigen Ehrenamtlichen, der Stamm: die Vereinsgründung und die Einrichtung der Koordinationsstelle durch den Caritasverband, die Äste: die zahlreichen Mitarbeiterinnen, der Vereinsvorstand und die Koordinatorinnen, und die Früchte der letzten Jahren: 650 Begleitungen, über 50 ausgebildete Ehrenamtliche und viele Veranstaltungen, dargestellt.

Prof. Dr. Ernst Engelke von der Palliativakademie Juliusspital aus Würzburg begann seinen Vortrag „Gegen die Einsamkeit Sterbender – wie Kommunikation gelingen kann“ mit einem eindrucksvollen Bild. „Wenn ein gesunder mit einem sterbenskranken Menschen spricht, ist das wie wenn ein Schachspieler mit einem Damespieler spielen will. Die Figuren des Schachspielers können sich auf dem Brett frei bewegen und vielfältig hin und her springen. Der Damespieler kann immer nur einen Schritt vor oder zurück.“ Er schilderte die Schwierigkeiten, die durch die völlig verschiedenen Wirklichkeiten der Sterbenskranken und der Angehörigen und Helfenden entstehen. Es gehe darum, sich ganz auf den Sterbenden einzustellen, dessen Bedürfnisse und seine emotionale Befindlichkeit wahrzunehmen und aufzugreifen. Prof. Engelke ist der Ansicht, dass der Sterbenskranke weiß, dass er sterben muss, dies aber häufig nicht kommuniziert und gegen sein Sterben auf vielfältige Art protestiert. „Trotzdem geschieht jede Kommunikation zwischen Sterbenskrankem und Helfenden im Angesicht des Todes,“ so Engelke weiter. Die Begleiter sind oft überfordert, wenn der Sterbende noch Pläne für die Zukunft macht und nicht über sein Sterben spricht. Der landläufigen Meinung, dass Sterbende ihr Sterben akzeptieren müssten, stellt er sich vehement entgegen. „Sterbende akzeptieren ihr Sterben nicht, und das müssen die Begleiter akzeptieren, wenn es auch schwer fällt.“

Im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Andrea Dittmann-Dornauf, äußerten sich die Teilnehmer zu der Frage, in welcher Weise zur Verringerung der Einsamkeit Sterbender beigetragen werden kann. Eberhard Freundt, langjähriger Mitarbeiter der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen, stellte überzeugend dar, wie er sich mit seiner ganzen Person einlässt auf das, was der Sterbende noch möchte und ihn da abholt, wo er steht. Gabi Klein, Pflegedienstleitung der Caritas-Sozialstation und des Palliativpflegedienstes, zeigte auf, dass in der Palliativpflege mehr Zeit und die Möglichkeit vorhanden sind, den Menschen in seiner Situation wahrzunehmen, dass es aber auch da Grenzen gibt, wo Menschen trotz ihres Wunsches zu Hause zu sterben, in eine stationäre Einrichtung verlegt werden müssen. Dr. Stephan Mönninghoff stellte als Vertreter des Palliativnetzes Siegen-Wittgenstein-Olpe die verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten heraus. Dirk Debus, stellvertretender Leiter des Evangelischen Hospizes wies darauf hin, dass das offene Miteinander im Pflegeteam eine wichtige Voraussetzung für eine gute Begleitung sei. Eva Maria Müller, Vorstandsvorsitzende der BKK Achenbach-Buschhütten und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Kinderhospizdienstes schilderte die intensive Begleitung von Familien mit lebensbedrohlich erkrankten Kindern. Gleichzeitig forderte sie mehr finanzielle Absicherung des gesetzlichen Anspruchs auf hospizliche und palliative Begleitung. Zum Schluss resümierte Frau Müller „Gut, dass es das Hospizgespräch jetzt auch in Siegen gibt. Ich freue mich auf das nächste Mal!“

Früchte der 20 Jahre: Ambulante ökumenische Hospizhilfe Siegen e.V.

•       650 Begleitungen

•       71.000 gefahrene Kilometer

•       50 aktive Ehrenamtliche und 15 kurz vor der Zertifikatsübergabe

•       ca. 400 Grundschulkinder im Projekt Hospiz macht Schule (16 Klassen)

•       zwei gut besuchte Trauercafés in Siegen und Freudenberg

•       Bekanntheit ist in den letzten Jahren sehr gestiegen

 

Siegener Hospizgespräch
Siegener Hospizgespräch

 

Bildunterschrift: Prof. Dr. Ernst Engelke (links) im Gespräch mit dem ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter Eberhard Freundt

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